
Individualbesteuerung tönt super und verlockend einfach – jeder und jede versteuert sein bzw. ihr Einkommen und Vermögen über die eigene Steuererklärung unabhängig vom Zivilstand. Es ist nicht von ungefähr, dass ein deutliches Ja prognostiziert wird.
Der Teufel liegt jedoch im Detail und vieles wird in den Vorabinformationen nicht erwähnt und nicht bedacht. Es werden leider auch sehr viele Unwahrheiten verbreitet. Wir versuchen deshalb, Sie über das komplexe Thema knapp und effizient zu informieren.
Ziel der FDP Frauen ist, dass sich Erwerbstätigkeit lohnt und dass durch die Progression bei der Zusammenrechnung der Einkommen der kleinere Lohn nicht durch die Steuern „aufgefressen“ wird. Sie hoffen dadurch, dass insbesondere Frauen in höheren Pensen tätig werden. Dies wäre auch im Hinblick auf das Bundesgerichtsurteil von 2021 wichtig, in dem festgehalten wurde, dass „die Ehe keine Lebensversicherung“ ist und dass insbesondere Frauen mit Kindern über 16 Jahre bei einer Scheidung keine Alimente zugute haben.
Wichtig für Sie zu wissen: Bei dieser Vorlage geht es NUR um die direkte Bundessteuer, die nur wenige Steuerpflichtige betrifft, da es aufgrund der starken Progression eine „Reichensteuer“ ist (10% der Steuerpflichtigen zahlen rund 85% der direkten Bundessteuern, 56% der Steuerpflichtigen zahlen maximal CHF 300). Bei Annahme der Vorlage haben der Bund sowie alle Kantone und Gemeinden bis 2032 Zeit, ihre Steuergesetze und Steuertarife anzupassen. Danach gibt es nur noch einen einzigen Steuertarif, der Verheirateten- bzw. Eltern-Tarif fällt weg.
Wer profitiert von der Individualbesteuerung
Wer wird schlechter gestellt als bei der heutigen Lösung:
Offene Fragen:
Die vom Bundesgericht bereits im 1984 angeprangerte Heiratsstrafe wird durch diese Vorlage für Ehepaare mit gleichen Einkommen gemildert, typischerweise für Ehepaare ohne Kinder oder Rentner-Ehepaare. Für Ehepaare mit ungleichen Einkommen, typischerweise Ehepaare mit Kindern, wird sie erhöht und schafft damit neue Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten. Zudem bleibt ein riesiger administrativer Aufwand für sämtliche Steuerverwaltungen, weshalb auch zehn Kantone das Referendum ergriffen haben.
Die Umsetzung auf Kantons- und Gemeindeebene, die für die Steuerpflichtigen viel relevanter ist als die direkte Bundessteuer, ist heute eine totale Black Box. Wir wissen nicht, was uns erwartet!
👉 Unser Fazit: Als gute Idee gestartet, ist die Umsetzung nicht durchdacht und wird uns Steuerzahler sehr viel kosten. Ein Splitting, wie es bereits sieben Kantone umsetzen und/oder eine Erhöhung des Zweitverdienerabzuges, um die Heiratsstrafe zu mildern, wäre der einfachere, fairere und viel kostengünstigere Weg.